Björn Lüttmann
Ihr Landtagsabgeordneter

Gedenkrede zum Volkstrauertag

Zentrale Gedenkveranstaltung des Landkreises Oberhavel in Oranienburg

 

 

Das geistliche Geleit sprach Herbert Weimer, Gründer des Christlichen Jugendzentrums Oranienburg. Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke  sprach das Totengedenken. Ich hatte die Ehre, folgende Gedenkrede halten zu dürfen:

  

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute am Volkstrauertag gedenken wir der Millionen Toten, die in beiden Weltkriegen ums Leben kamen. Wir ehren diejenigen, die als Soldaten ihr Leben ließen.Wir erinnern an die vielen Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.

Heute vor 100 Jahren, im Jahre 1917, kämpften deutsche Soldaten bereits seit drei Jahren im Ersten Weltkrieg um die Vormachtstellung Deutschlands in Europa.

Die anfängliche Kriegsbegeisterung und Euphorie wurde schnell erstickt durch die Erlebnisse eines industrialisierten Krieges mit Massensterben auf allen Seiten. Die Illusion vom Sieg wurde eingeholt von der Realität und der Gewissheit: es gibt keine Sieger, sondern nur Verlierer.

Unvorstellbar groß muss das Leiden der Menschen gewesen sein. Der Tod war der ständige Begleiter der Frontsoldaten. Die Zivilbevölkerung musste Versorgungsengpässe aushalten, was zu Hungerkrawallen und wachsender sozialer Not führte. Noch heute stellt sich die Frage, wie konnte es überhaupt so weit kommen? Wie konnte es geschehen, dass Menschen und Nationen mit Gewehren, Kanonen, Granaten und Giftgas gegeneinander in den Krieg zogen, mit dem Ziel, den vermeintlichen Feind zu vernichten?

Ein übersteigerter Nationalismus und damit das Überschätzen des Wertes der eigenen Nation im Vergleich zur anderen, war sicher einer der Hauptbeweggründe.

Damit wurde der Boden gelegt, auf dem später auch die Ideologie des Nationalsozialismus heranwachsen konnte. Die Folgen waren verheerend, die begangenen Gewalt- und Gräueltaten entsetzlich. Erschreckend und zunehmend beängstigend ist auch, dass diese Gespenster der Vergangenheit trotz der Erfahrung zweier Weltkriege und vieler weiterer sinnloser Kriege danach, nie verschwanden.

Ganz im Gegenteil: Heute feiert nationalistisches Denken und Handeln ein nie für möglich gehaltenes Comeback – in Deutschland, in Europa und der Welt.

Der Islamkritiker Geert Wilders forderte im niederländischen Wahlkampf den „patriotischen Frühling“. Marine Le Pen, seine Schwester im Geiste, kämpfte in Frankreich darum, das Land im „Namen des Volkes“ wieder zur alten Großartigkeit zurückführen zu können. In Ungarn regiert mit Viktor Orbán seit sieben Jahren ein nationalkonservativer Überzeugungstäter und betreibt eine Politik der Abschottung. In Polen war unlängst bei nationalistischen Aufmärschen der Hitlergruß zu sehen, unvorstellbar noch vor wenigen Jahren! Und auch im berühmten „Land der Freiheit“, den USA heißt es heute ganz klar: „America First“ und die anderen danach…

Spalten, Neid schüren, Ängste befeuern, das sind die lauten Töne dieser Zeit, die von Scharfmachern und Radikalen bewusst eingesetzt werden. Das Trennende wird hervorgehoben, das Verbindende für bedeutungslos erklärt.

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit der eigenen historischen Verantwortung ist daher von so enormer Bedeutung. Die Erinnerung muss wachgehalten werden, durch Begegnungsstätten, Denkmäler und Gedenktage wie dem heutigen Volkstrauertag. Erst vor wenigen Tagen weihten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das erste deutsch-französische Museum zum Ersten Weltkrieg ein. Es soll daran erinnern, dass die europäischen Grenzen, die wir heute so sorglos überqueren einst blutgetränkte Erde waren.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Weltkriege spalteten Europa. Die tiefen Gräben aus Misstrauen und Feindseligkeit zwischen den Ländern konnten jedoch überwunden werden.

Ermöglicht wurde dies durch das Vertrauen, dass unsere europäischen Nachbarn in uns setzten. Sie reichten uns die Hand. Sie ermöglichten uns Wachstum und Wohlstand.  

Es liegt daher an uns, Europafeinden, übersteigertem Nationalismus und drohendem Erinnerungsverlust entgegenzutreten. Ich möchte an dieser Stelle zitieren aus dem Buch, welches in diesem Jahr den Deutschen Buchpreis gewann und welches für mich die Krise und die Fragen nach der Zukunft Europas in genialer Weise zusammenfasst, „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse:

„Konkurrierende Nationalstaaten in einer Union blockieren beides: Europapolitik und Staatspolitik. Was wäre jetzt notwendig? Die Weiterentwicklung zu einer Sozialunion, zu einer Fiskalunion – also die Herstellung von Rahmenbedingungen, die aus dem Europa konkurrierender Kollektive ein Europa souveräner, gleichberechtigter Bürger machen würde. Das war ja die Idee, das war es, wofür die Gründer des europäischen Einigungsprojekts geträumt haben – denn sie hatten ihre Erfahrungen. Aber das alles ist nicht durchsetzbar, solange das Nationalbewusstsein gegen alle historischen Erfahrungen weiter geschürt wird und solange der Nationalismus weitgehend konkurrenzlos ist als Identifikationsangebot an die Bürger.“ (Seite 391/392)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn wir eines aus der Geschichte lernen können, dann ist es, dass nationalistische Parolen nicht greifen, wenn die Mehrheit des Volkes sie klar ablehnt.

Wir alle können helfen, Nationalisten den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem wir unsere demokratischen Werte, Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Liberalität verteidigen. Das ist nicht immer leicht.  Es bedeutet für uns auch, unser historisch beschädigtes Verständnis von Begriffen wie Heimat und Tradition neu zu denken und positiv zu besetzen.

Es bedeutet auch, so mutig zu sein wie möglich, um es mit den Worten von Timothy Snyder, eines US-amerikanischem Zeithistorikers, zu sagen.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge geht mit gutem Beispiel voran und unterstützt mit seiner Arbeit die Völkerverständigung und Aussöhnung.

Seit dem Jahr 1919 ist der Volkstrauertag Teil unserer Erinnerungskultur.

Der Volksbund fördert die offene Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Dabei bleibt er seinem Grundsatz zur „Totenehrung jenseits allen Völkerhasses“ stets treu. Für dieses Engagement möchte ich mich bedanken und hoffe, dass es stets mit gleicher Kraft weitergeführt wird!

Kontakt

Björn Lüttmann, MdL
Bernauer Straße 52
16515 Oranienburg

Telefon: 03301-3978890
Fax: 03301-3978889

E-Mail: bjoern.luettmann@spd-fraktion.brandenburg.de

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