Meine Erinnerung an 1990

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Im Jahr der Deutschen Einheit war ich gerade 14 Jahre alt geworden und ich erinnere mich, dass es eine sehr intensive Zeit für mich und meine Familie war. Und das nicht nur, weil Gesamtdeutschland Weltmeister wurde, auch wenn die Erinnerung daran, im Frankreichurlaub mit Ohr am Radio, auch noch sehr präsent ist… Es war kurz nach den Feierlichkeiten am 3. Oktober, als wir – aus Lübeck stammend – zu unserem ersten Familienurlaub nach Berlin und Brandenburg aufbrachen. Dabei entstand das legendäre Foto, welches mich mit meinen Brüdern und meiner Mutter beim Durchblicken der Berliner Mauer zeigt. Die verschwindende Mauer machte uns glücklich. Wir sahen uns aber auch Schloss Sanssouci und die Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen an.

Ich erinnere mich, wie erfüllt wir damals von der geschichtlichen Situation waren. Aus heutiger Sicht stelle ich mir manchmal vor, jemand aus der Zukunft wäre damals zu mir gekommen und hätte gesagt: In 14 Jahren wird Dein erster Sohn in Berlin geboren werden, in 17 Jahren wirst Du in unmittelbarer Nachbarschaft der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen wohnen und in 24 Jahren wirst Du diesen Teil Brandenburgs im Landtag vertreten. Ich hätte diesem Menschen aus der Zukunft wohl einen Vogel gezeigt. Heute ist dies Realität und ich bin unendlich dankbar, dass ich beide Teile Deutschlands intensiv erleben durfte: Westdeutschland als Kind und Ostdeutschland als Erwachsener, als Familienvater und Abgeordneter. Die deutsche Einheit ist auch 30 Jahre danach ein guter Grund zu feiern!