Zur Veröffentlichung des Gneist-Gutachtens: Historische Aufarbeitung und intensive Kommunikation zwischen Stadt und Gedenkstätte bleiben wichtig

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Zum heute vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin veröffentlichten Gutachten „Gisela Gneist und die Erinnerungskultur nach 1989/90“ im Auftrag der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten erklärt Björn Lüttmann, Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter in der Oranienburger Stadtverordnetenversammlung: „Ich danke der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und dem Leiter Herrn Dr. Drecoll für die Anfertigung des Gutachtens. Der Beschluss der Oranienburger Stadtverordnetenversammlung von 2019 zur Benennung einer Straße im neuen Baugebiet am Aderluch nach Gisela Gneist, der früheren Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen e.V., hat in Oranienburg und überregional teils kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Vor dem Hintergrund insbesondere der durch die Zeit des Nationalsozialismus geprägten Stadtgeschichte sind politische Vertreterinnen und Vertreter Oranienburgs immer aufgefordert, sich auch kritischen Einschätzungen zu stellen. Daraus lässt sich lernen, insbesondere für den Fall, dass künftig wieder Straßen in historisch belasteten Baugebieten zu benennen sind.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Stadtgeschichte hat kein Enddatum. Auch die Frage, wie eine angemessene Erinnerungskultur aussieht, die die Opfer des NS-Regimes und ebenso die Inhaftierten des späteren Speziallagers im Blick hat, wird wahrscheinlich nie abschließend zu beantworten sein. Deshalb begrüße ich das neue Gutachten zur Person Gisela Gneist. Es beinhaltet neue Erkenntnisse zum Leben und Wirken von Gisela Gneist. Unklar ist zwar, ob die jetzigen Erkenntnisse, hätten sie bereits 2019 vorgelegen, die Stadtverordneten zu einem anderen Beschluss hätten kommen lassen. Dennoch ist es hilfreich, jetzt weitere wissenschaftliche Expertise zur Verfügung zu haben: Für die Stadtverordneten, die interessierte Öffentlichkeit und auch für die Menschen, die künftig in der Gisela-Gneist-Straße leben werden. Sie werden sicher irgendwann wissen wollen, wer die Person war, nach der ihre Straße benannt wurde.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass besonders beim sensiblen Thema der städtischen Erinnerungskultur breite Diskussionen und unterschiedliche Sichtweisen zugelassen werden. Kommunikation ist dabei der Schlüssel für gegenseitiges Verständnis, die angemessene Berücksichtigung von Opfergruppen und die Basis einer gemeinsamen weiteren historischen Aufarbeitung der Stadtgeschichte. Gelingen kann dies jedoch nur, wenn Stadtverordnete, die verschiedenen Opferverbände und die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten eng, respekt- und vertrauensvoll zusammenarbeiten, damit Entscheidungen am Ende auch gemeinsam mitgetragen werden.“


Das Gutachten zum Nachlesen finden Sie unter folgendem Link: Gisela Gneist und die Erinnerungskultur nach 1989/90


Auf dem Bild (v.l.n.r.): Stiftungsdirektor Dr. Axel Drecoll, Parlamentarischer Staatssekretär der SPD-Bundestagsfraktion Carsten Schneider und der Landtagsabgeordnete Björn Lüttmann